Weitere „bad boys“ im Pulp Fiction des Irak?

Weitere „bad boys“ scheinen im Orient eine Rolle zu spielen. Und wie es sich für „bad boys“ gehört, schlagen sie sich auch untereinander. Wirklich sehr verwirrendes Szenario. Nein, was da im einzelnen wirklich los ist, weiß ich nicht, kann ich nicht wissen. Denn ich bin nur ein ganz normaler Arbeiter und kann nicht einfach mal runterfliegen und mich in Tarnkappe ins blutige Gemenge begeben, um rauszufinden, was wirklich los ist.

Klar ist nur: der oberste „bad boy“, der höchste Pate der Welt-Mafia, sitzt jenseits des großen Teiches und zündelt weltweit.

Klar ist auch: unsere Medien werden nichts anderes als Propaganda dieses Ober-Paten verbreiten, weil das heutzutage nun einmal ist.

Klar ist auch: unsere Regierungs-Charaktermasken werden, weil das heutzutage nun einmal so ist, das schwätzen, was die Medien ihnen vorzuschreiben scheinen. Mir ist natürlich auch klar, dass Mitgliedschaften in „transatlantischen“ Vereinen und Seilschaften entscheidender ist als irgendeine „öffentliche Meinung“.

Natürlich lese ich hin und wieder auch Mainstream-Medien, weil hin und wieder könnten sie außer Propaganda auch mal aus Versehen die eine oder andere Nachricht verbreiten. (Klar ist es schwierig, das auseinander zu halten).

Nun habe ich gestern das hier gelesen:

Die Rache des Kreuz-Königs

Die Rede ist von Izzet Ibrahim al Duri, einem ehemaligen Gefolgsmann von Saddam Hussein. Gewissermassen der treueste der Treuen. Dieser Rainer Herrman von der TAZ schreibt:

Der Mann hinter dem Aufstand der Sunniten ist ein alter Bekannter: Izzet Ibrahim al Duri, Saddam Husseins harte Hand, seit elf Jahren auf der Flucht. Nun will er den Untergang des alten Regimes rächen – wird ihm der Einmarsch nach Bagdad gelingen?

Wie? Ein Hardliner der verbotenen irakischen Baath-Partei, jahrelang diverser Minister und sonst was unter Saddam Hussein und der letzte offizielle der Baath-Untergrundkämpfer, der von den USA seit 2003 „gewissermassen steckbrieflich gesucht wird, soll hinter dem plötzlichen Siegeszug der ISIL stecken? Ich gebe zu, dass das allen meinen bisherigen Annahmen völlig widerspricht.

Gewiß ist Izzet Ibrahim al Duri ein „bad boy“ par excellance und wäre somit ein idealer „Partner“, ein hervorragender „Hurensohn“ der USA.So war er für den Giftgasangriff auf Halabdscha 1988 mit verantwortlich.

Das Dumme ist nur: Dieser Mann muss, nach allem was geschehen ist, ein wahrer Todfeind der USA und ihrer Elite sein. Ein „bad boy“ wie diese, gewiss, aber einer, der in seinem ungebeugten Widerstand gegen die Invasion von 2003 schon fast (aber nur fast!) sympathisch erscheint im Vergleich zu den zynischen großen „bad boys“ in Washington.

Aber mit ISIS? Wie geht das?

Was noch seltsam ist: die Medien verbreiten Propaganda, ok, das wissen wir. Aber was die aktuelle Lage im Irak anbetrifft, da ist diese Propaganda ziemlich wirr geworden. Kann das sein, dass die großen „bad boys“, die mit weiser Hand die Weltgeschicke lenken wollen, selbst derzeit verwirrt sind?

Die FAZ äußert sich zu den aktuellen Ereignissen nur dürftig. Es heißt dort „Der Mann hinter dem Aufstand der Sunniten…“, aber im Artikel selbst wird das nicht weiter ausgeführt, sondern nur über die Vergangenheit dieses Mannes schwadroniert.

Der wikipedia-Artikel zu diesem Mann ist lesenswert (es ist in der generellen Linie das gleiche, was dieser Artikel schreibt): http://de.wikipedia.org/wiki/Izzat_Ibrahim_ad-Duri.

Liest man den FAZ-Artikel, so bekommt man den Eindruck, dass ad-Duri also mit den islamistischen Schlächtern von ISIL zusammenarbeitet. Dass er möglicherweise sogar ein Chef dieser ISIL ist.

Aber stimmt das auch so? War nicht die Baath-Partei grundsätzlich laizistisch orientiert und feindlich gegenüber religiösem Fundamentalismus? Gut, das kann sich auch ändern.

Aber dass ein ad-Duri, der die Bushs, Obamas usw wirklich aus tiefstem Herzen hassen muss, mit deren Bodentruppe nun eins sein soll, will mir nicht in den Kopf.

Sicher, in Libyen kommandiert in Guantanamo jahrelang gefolterter Islamisten etliche der wichtigsten von Söldnerfirmen aufgebauten Milizen dort. Klar, wie die US-Militärs das gemacht haben. Guantanamo dient ja schließlich nur zu zwei Zwecken:

– irgendwelche Geständnisse erpressen, die keinen Pfifferling wert sind

– Agenten und Provokateure anheuern

Mit den angeworbenen Provokateuren wurden dann durch USA und Vasallen (auch mit Unterstützung verdeckt arbeitender Söldnerfirmen) „Milizen“ aufgebaut, und diese haben dann mit Luftunterstützung der NATO die Gaddafi-Regierung gestürzt und ihn selbst umgebracht.

Aber wenn Sie sich mal selbst vorstellen, von diesen Helden der Menschenrechte in einem KZ wie Guantanamo viehisch gefoltert worden zu sein, um dann das Angebot zu bekommen, an einer solchen „Befreiungsaktion“ (wie in Libyen) teilzunehmen, gegen Geld und Macht, würden Sie das machen? Allein nur um aus diesem KZ zu entkommen?

Gut. Aber. Würden Sie Ihre einstigen Peiniger, in deren Diensten Sie dann stehen, etwa dafür dann lieben? Und was würden Sie tun, wenn sie es diesen Kerlen irgendwie heimzahlen könnten?

Wenn Sie das so weit mitdenken und mitfühlen können, dann verstehen Sie, was derzeit in Libyen passiert. Die „Hurensöhne“ der USA ballern auf diejenigen, von denen sie angeheuert wurden.

Ist in jedem besseren Gangsterfilm doch auch so.

Aber in Libyen und Syrien ist Pulp Fiction offensichtlich ganz real.

Kommen wir zurück zu Izzet Ibrahim al Duri. Izzet Ibrahim al Duri ist auch ein ehemaliger Halunke des Imperiums, als Gefolgsmann Saddam Husseins nämlich. Bis Saddam Hussein beim Imperium in Ungnade fiel. Izzet Ibrahim al Duri aber blieb bei seinem Boss und scheint bis heute für ihn zu kämpfen.

Dass es eine Baath-Partei im Untergrund gab im Irak nach der Invasion, ist mir durchaus bekannt. Seinerzeit hatte ich auch recherchiert und einige Artikel darüber geschrieben. Die Medien verheimlichten die Tatsache eines relativ effizienten Baath-Widerstands auch ziemlich konsequent. Aber es gab ihn die ganze Zeit über, definitiv.

Aber „Al-Qaida“ war im sunnitischen Irak nach 2003 zwar eine Kraft, die durchaus präsent war und vor allem Bombenanschläge gegen vorwiegend schiitische Zivilisten verübte, aber auch im sunnitischen Widerstand als Schöpfung der US-Geheimdienste verhasst (eine Einschätzung, die ich teile und teilte).

Aber was ist jetzt DAS? Izzet Ibrahim al Duri und ISIL?

Der genannte FAZ-Artikel schreibt wahrscheinlich die Wahrheit, aber er lässt Fragen offen. Da verdichtete es sich jetzt auch noch, dass es zwischen den USA und dem Iran gemeinsame Interessen im Irak gäbe. Ist das wieder irgend so eine Suggestion oder ist da was dran?

Ist ISIL möglicherweise den USA aus dem Ruder gelaufen so wie die wildgewordenen Milizen in Libyen, die sich mit einem Putschgeneral, der so offensichtlich US-gesteuert ist, Feuergefechte liefern. „Sacco di Roma“ sowohl in Libyen als auch im Irak?

In einem anderen Artikel schrieb die FAZ (gleicher Autor):

Am Vormarsch der Dschihadisten beteiligen sich nicht nur die Krieger des „Islamischen Staats“. Denn die drei wichtigsten Gruppen der irakischen Sunniten sind erstmals vereint. Neben den Dschihadisten sind es die Stammesführer aus der Provinz Anbar sowie die sunnitischen Baathisten aus Mossul und Takrit.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/naher-osten-die-sunniten-vereinen-sich-zum-aufstand-gegen-bagdad-12988722.html

Demnach wären diese drei Gruppierungen:

– ISIL

– Die Stammesführer der Provinz Anbar (genau diese waren es, die ab 2004 „Al qaida im Irak“ erbittert verfolgten und massakrierten)

– Die Baath-Partei im Untergrund (die sich ab 2004 durch druchaus effizienten Widerstand gegen die US-Besatzer auszeichnete)

Eines ist mir aufgefallen.

Die FAZ schreibt:

Zuletzt meldete sich Duri in zwei Videos zu Wort. Das erste Video zirkulierte im April 2012. Anlässlich des 65. Jahrestags der Gründung der Baath-Partei erklärte Duri, der eine olivgrüne Uniform trug, dem Westen und Iran den Krieg. Er rief in der eine Stunde dauernden Rede alle „nationalistischen und islamischen Kräfte“ im Irak auf, die Regierung in Bagdad zu stürzen und beschimpfte die schiitische Regierung als Handlanger der „Mongolen“. Seit dem irakisch-iranischen Krieg von 1980 bis 1988 bezeichnete das irakische Regime Iraner und Schiiten als „Mongolen“; diese hatten 1258 Bagdad in Schutt und Asche gelegt. Er prangerte die „ausländische Intervention“ in Libyen an und pries die sunnitische Erhebung in Syrien.

Quelle

wikipedia aber schreibt im Artikel über Duri:

Im April 2012 tauchte ein Video von ad-Duri auf, in dem er, stark gezeichnet, den Widerstand in Syrien verurteilt. Das etwa einstündige YouTube-Video wurde zum 65.Jubiläum der Baath-Partei veröffentlicht, die Echtheit ist jedoch noch nicht erwiesen.[5] Im Januar 2013 wurde erneut ein Video mit einer Kampfesrede ad-Duris verbreitet.

Das passt nicht zusammen. Hat Duri sich für (FAZ) oder gegen (wikipedia) den „sunnitischen Widerstand“ in Syrien ausgesprochen?

Die Frage scheint mir nicht unbedeutend zu sein, zumndest dann nicht, wenn Duri bei den aktuellen Ereignissen wirklich eine führende Rolle spielen sollte.

Noch eine andere interessante Notiz über Duri habe ich gefunden, von 2008,  und zwar bei Ria Novosti, einem wirklich lesenswerten Onlinemedium in Russland:

Saddams Vize verspricht baldigen Sieg über US-Besatzer

16:56 17/07/2008

BAGDAD, 17. Juli (RIA Novosti). Izzat Ibrahim ad-Duri, Iraks früherer Vizepräsident und enger Vertrauter des hingerichteten Diktators Saddam Hussein, verspricht schon in diesem Jahr einen Sieg der irakischen Widerstandskämpfer über die „amerikanischen Besatzungstruppen“.

„Wir werden den Feind überall angreifen. Dieses Jahr wird uns den Sieg bringen“, heißt es in einer Botschaft ad-Duris, die am Donnerstag durch Flugblätter in Bagdad verbreitet wurde. In Bagdader CD-Läden wird die Botschaft auch als Tonmitschnitt angeboten. Ad-Duri behauptet, dass die US-Armee ihre Verluste im Irak klein redet, und ruft US-Präsident Georg W. Bush auf, die „wahren“ Zahlen zu veröffentlichen.

Nach offiziellen Angaben des Pentagon sind im Irak mehr als 4120 amerikanische Soldaten getötet worden.

Ad-Duri war bis zum Einmarsch der USA im Jahre 2003 im Irak der stellvertretende Vorsitzende des Revolutionären Kommandorates und somit eines der wichtigsten und engsten Führungsmitglieder des ehemaligen Baath-Regimes. Nach der Hinrichtung des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein im Jahre 2006 übernahm er den Vorsitz der nun aus dem Untergrund agierenden Baath-Partei. Seitdem führt er als letzter Repräsentant des Regimes den Kampf gegen die US-Truppen fort.

 

Nun, aus dem Sieg binnen einen Jahres ist ja nun nichts geworden. Aber eines scheint sicher zu sein: ein direkter Handlanger von Uncle Sam ist ad-Duri sicherlich nicht mehr, schon lange nicht mehr.

Das oben angesprochene Video von 2012 gibt es übrigens tatsächlich, hier ist es:

Leider verstehe ich kein Arabisch. Kann einer meiner Leser Arabisch? Ich höre heraus, das ad-Duri tatsächlich auch über Syrien spricht, über die Intifada und anderes.

orf.at schrieb zu diesem Video

Video von Saddam-Hussein-Vize Al-Duri aufgetaucht

Erstmals seit 2003 ist ein Video des Vizepräsidenten des irakischen Revolutionsrats aus der Zeit von Saddam Hussein aufgetaucht. Auf dem einstündigen YouTube-Video verurteilt der 70-jährige, abgemagerte Essat al-Duri die Versuche, „Syrien zu vernichten“.

In Syrien regiert bis heute die Baath-Partei, die unter dem früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein auch im Irak die Macht hatte. Das Video, dessen Echtheit zunächst nicht überprüft werden konnte, wurde zum 65. Gründungsjubiläum der Baath-Partei veröffentlicht.

Al-Duri wurde schon wiederholt für tot erklärt. Auf dem Video ist er mit zittrigen Händen und abgemergelt in einer irakischen Armeeuniform zu sehen. Auf der Liste der 55 von der US-Armee am vordringlichsten gesuchten Personen nimmt er den sechsten Platz ein. Der arabische Nachrichtensender al-Jazeera verbreitete 2006 und 2010 Audio-Botschaften al-Duris. Dieser zählte 1968 zu den Putschisten, mit denen die Baath-Partei an die Macht gelangte.

Also demnach verurteilte al-Duri noch 2012 die Versuche – wessen wohl? der USA? – „Syrien zu vernichten“.

Siehe da. Wenn es so ist, dann hat die FAZ also mal wieder geschwindelt (Duri begrüsse die „sunnitische Erhebung“ in Syrien). Irgendwo muss die FAZ schwindeln, sonst wäre sie nicht die FAZ. Aber WO schwindelt sie?

Wie ein durchgeknallter Islamist wirkt der ordentlich uniformierte al-Duri auf dem Video nicht, eher so, wie er sich wohl gern präsentieren möchte: als Repräsentant eines vor einer feindlichen Invasion in den Untergrund gegangenen (autoritär bis diktatorischen) Regimes, das immer noch Legitimität beansprucht.

Wie gesagt, der verbissene Hass und Widerstandswillen dieses Mannes gegen das Imperium könnte ist fast (fast) sympathisch machen. Aber.

Wie paßt das zu einer paranoiden islamistischen Killertruppe im Auftrag der USA, so wie ich etwa ISIL bisher einschätzte?

Wenn al-Duri wirklich der „starke Mann“ dieses Vormarsches im Nordirak sein sollte und politisch den Ton dort angibt, so wäre eine feindselige Haltung gegenüber der US – Intervention in Syrien nur zu konsequent von ihm. DANN aber wäre ISIL tatsächlich abtrünnig von „Al-qaida“, dem Geschöpf der USA, geworden.

Offen gestanden, ich weiß noch nicht, was ich von dem halten soll. Ich weiß nur, liebe Leser, dass unsere Mainstream – Massenmedien uns weiter hemmungslos anlügen werden, wenn ihnen das befohlen wird. Nur müssen sie dazu genau wissen, was sie denn eigentlich vorlügen sollen? Wie ist das „wording“? Wer ist denn jetzt der einzige und alleinige „bad boy (wo ich bis auf weiteres eigentlich nur „bad boys“ sehe)?

Nur derzeit scheint unsere Welt-„Elite“ selbst ziemlich verwirrt zu sein in Sachen Irak? Oder täusche ich mich?

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