Wer sind die Palästinenser? Aus aktuellem Anlaß…

Wer sind die Palästinenser. Haben Sie sich das schon einmal gefragt?

Die Ideologie des Herrenmenschen – Staates Israel besteht schließlich in der Auffassung, die nach Palästina eingewanderten Juden, die ab 1948 das Land von palästinensischen Siedlungen „säuberten“, würden in ihr ursprüngliches Heimatland zurückkehren. So wie es in der Bibel oder im Talmud steht.

Nicht ganz 2000 Jahre war man also „unterwegs“ und ist dann „heimgekehrt“. So oder so ähnlich.

Und wer das nicht so sieht, ist natürlich ein „Antisemit“. Klar.

Trotzdem bleibt diese Frage: wer sind dann die Palästinenser?

Die israelische Herrenmenschen-Theorie erzeugt das Bild von einem Land, das in biblischer Zeit gewissermaßen verlassen wurde von seinen Bewohnern, und zwar aufgrund von Vertreibung und Verfolgung. Nach fast 2000 Jahre kehrt „man“ dann wieder zurück und muss natürlich die in der Zwischenzeit dort angesiedelten „Eindringlinge“, die Palästinenser, in ihre Schranken verweisen oder, wenn sie so weitermachen und dem Land seinen „jüdischen“ Charakter absprechen, in die arabischen Nachbarländer austreiben, wo sie schließlich hingehören (es sind ja schließlich „Araber“, oder nicht?)

So in etwa lautet die Agenda der Zionisten verschiedener Färbung.

Auf die Frage, wer denn die Palästinenser seien, reagieren Zionisten mit Achselzucken und antworten (je nach politischer Färbung oder ideologischer Verblendung) damit, dass diese „Araber“ eben Fremdlinge seien, Barbaren oder gleich „Untermenschen“ (das Wort gleichwohl wird vermieden, da es unerwünschte Assoziationen hervorruft).

Ich stelle nochmals und so deutlich wie möglich die Frage: Wer sind die Palästinenser?

Ich will Sie nicht auf die Folter spannen, denn die Frage läßt sich sehr einfach beantworten. Und zwar so:

Die Palästinenser sind die direkten Nachkommen der antiken Juden.

Ich habe schon mehr als ein fassungsloses und verblüfftes Gesicht von – jüdischen wie nichtjüdischen – Zionisten nach diesem Satz gesehen.

Aber es ist ganz simpel die historische Wahrheit.

Ich beziehe mich wesentlich auf den israelischen Historiker Shlomo Sand:

http://de.wikipedia.org/wiki/Shlomo_Sand

Die Erfindung des jüdischen Volkes – Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand (original „מתי ואיך הומצא העם היהודי?“) ist ein Buch dieses Historikers.

Einen ausführlicheren Artikel zu diesem Buch finden Sie hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Erfindung_des_j%C3%BCdischen_Volkes

Ich will diesen Artikel nicht in allen seinen Einzelheiten wiederholen und nenne nur die wichtigsten Eckpunkte:

– Nach einer verbreiteten Legende wären alle Juden nach dem gescheiterten Bar-Kochba-Aufstand gegen das Römische Reich aus Palästina vertrieben worden. Für diese Legende gibt es aber keine wirklichen stichhaltigen Beweise.

Im zentralen Kapitel III weist Sand die Auffassung vom jüdischen Exil als einer historischen Realität zurück. Dabei beruft er sich vor allem auf das 1918 in New York erschienene Buch Das Land Israel in Vergangenheit und Gegenwart, das David Ben Gurion und Jizchak Ben Zwi auf Hebräisch schrieben, bevor sie es für das amerikanische Publikum ins Jiddische übersetzten. Bei ihnen findet sich die Überzeugung, dass die modernen Bewohner Palästinas ethnisch eng mit den verstreuten Juden verbunden seien.[3] Sand folgert in Anlehnung an diese beiden Autoren, dass die Juden sich im Zuge natürlicher und freiwilliger Migrationen verstreut hätten. Viele Heiden im Mittelmeerraum hätten sich zum Judentum bekehrt, auch im Römischen Reich, wo sich das Christentum bald als Konkurrent etabliert habe.

Man muss nicht Sands Buch gelesen haben, es ist auch aufgrund eigener Recherche möglich, eine ungebrochene jüdische Besiedlung Palästinas nachzuweisen.

Zum Beispiel in der Lebensgeschichte des letzten heidnischen römischen Kaisers Julian (von den Christen als „Apostata“ geschmäht).

Julian (361-363 Kaiser) stammte aus einer christlichen Familie, hatte aber das Christentum in seiner fanatischen Form hassen gelernt. Er förderte sowohl das klassische Heidentum als auch das Judentum als Gegengewichte zum Christentum.

Julian und die Juden
Julian brachte eine Wende in der römischen Judenpolitik, da er die Juden aufgrund ihres Festhaltens am Glauben ihrer Väter sehr schätzte. In seinen Werken stellte er sie nicht nur gegenüber den Christen als Menschen dar, die auf einem richtigen Weg seien, den die Galiläer verlassen hätten, er pries auch ihr zähes Festhalten am bewährten Glauben als Vorbild für die Heiden. Auch die innerjüdische Hilfsbereitschaft erschien ihm vorbildhaft. Den Gott der Juden sah er entsprechend der interpretatio Graeca als einen Bestandteil des heidnischen Pantheons, weshalb er kritisierte, dass die Juden nicht ihrerseits die anderen heidnischen Götter anerkannten.

Insgesamt stand der Kaiser jedoch dem Judentum recht positiv gegenüber, er bezeichnete sich sogar selbst als Anhänger des Gottes Abrahams. Zugleich sollte dies aber nicht überschätzt werden; Julian zog die Juden den Christen vor und äußerte sich positiv über manche Elemente ihrer Religion, doch letztlich folgte er darin eher der Politik früherer heidnischer Kaiser, die den Juden Privilegien eingeräumt hatten. Er plante 363 sogar den Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels, der jedoch dann zugunsten des Perserfeldzugs zurückgestellt wurde und nicht verwirklicht wurde. Theodoret schreibt in seiner Kirchengeschichte (3, 20), dass der Bau wohl begonnen wurde, es aber zu übernatürlichen Erscheinungen, schweren Erdbeben und Feuern gekommen sei, wodurch dann die aus aller Welt herbeigekommenen jüdischen Bauleute schließlich ihr Vorhaben aufgegeben und die Flucht ergriffen hätten. Julian erließ den Juden auch die ihnen auferlegte Sondersteuer, eine Maßnahme, die jedoch offenbar nicht mehr umgesetzt wurde. Neben einer gemeinsamen Ablehnung des Christentums wird als Grund für das gute Verhältnis des Kaisers zu den Juden auch die Absicht genannt, sich vor dem Persienfeldzug mit den babylonischen Juden gut zu stellen, um deren Unterstützung gegen die Sassaniden zu gewinnen.

aus http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Apostata#Julian_und_die_Juden

„Die aus aller Welt herbeigekommenen jüdischen Bauleute“ soll wohl die Diaspora-Theorie bestätigen, ist aber wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher, dass es eine ungebrochene jüdische Bevölkerung Palästinas gab. Ein beträchtlicher Teil dürfte aber auch zum Christentum konvertiert sein, das ursprünglich selbst nichts als eine jüdische Sekte darstellte.

Allerdings kam es in Palästina nach der Ausbreitung des Islam auch zu einer Islamisierungswelle.

Im wikipedia-Artikel zu Jerusalem finden wir weitere Hinweise:

Unter den Sassaniden (614-629)
Der Sassaniden-Herrscher Chosrau II. drang um 613 während des Römisch-Persischen Kriegs (602-628) nach Palästina vor. Die palästinischen Juden begrüßten die Sassaniden als Befreier und vollzogen einen Aufstand gegen Byzanz. Im Juli 614 eroberten die Sassaniden Jerusalem nach 21-tägiger Belagerung mit Hilfe jüdischer Verbündeter. Juden sollen dann bis zu 90.000 christliche Stadtbewohner ermordet haben.

Abgesehen davon, dass die Zahl von 90000 ermordeten Christen wahrscheinlich stark übertrieben ist, beweist dieses Ereignis eine ununterbrochene jüdische Besiedlung Palästinas. Religiös standen sich in dieser Bevölkerung Christen und traditionelle Juden offenbar einander als Gruppen feindlich gegenüber, aber beide Gruppen dürfen mit Fug und Recht als Palästinenser angesehen werden.

Eroberung durch die Araber Belagerung von Jerusalem (637)

Im Zuge der Islamischen Eroberung der Levante gelangten Armeen des wenige Jahre zuvor begründeten Islams nach Palästina. Im Jahre 637 belagerte eine arabische Armee unter dem General Abu Ubaidah ibn al-Jarrah im Auftrag des Kalifen Umar die Stadt und konnte sie nach sechs Monaten durch die Kapitulation der byzantinischen Verteidiger einnehmen. Dem Patriarchen von Jerusalem Sophronius (560–638) war zugesichert worden, dass die christliche Bevölkerung der Stadt diese verlassen durfte, auch wenn dies tatsächlich nur wenige taten. Den Juden wurde nach der arabischen Eroberung die Ansiedlung in Jerusalem wieder gestattet….

Weiter.

In den folgenden zwei Jahrhunderten wurde Jerusalem von abbasidischen Statthaltern regiert. In dieser Zeit wechselten Phasen mit explizit christen- bzw. judenfeindlicher Politik mit Phasen der Toleranz gegenüber jüdischen und christlichen Bewohnern und Pilgern.

Von einer Bevölkerungsumschichtung wird nirgendwo gesprochen. Wir haben im Grunde eine Kontinuität einer Bevölkerung, die ich jetzt mal als „palästinensisch“ bezeichne, und die sich ausser in die Gruppen Christen und traditionelle Juden auch noch in eine dritte, dominante Gruppe, den Moslems, aufteilte.

Unter den Fatimiden

Im Jahre 979 wurde Jerusalem von den ägyptischen Truppen der schiitischen Dynastie der Fatimiden erobert, die in Ägypten die Macht errungen und ihr Kalifat, das in Konkurrenz zum sunnitischen Abbasidenkalifen von Bagdad stand, in Kairo errichtet hatten. In der Stadt kam es nach der Eroberung zu einem Blutbad, dem nicht nur Anhänger des sunnitischen Kalifats zum Opfer fielen, sondern das auch den christlichen und jüdischen Bevölkerungsteil betraf.

Wir haben also immer noch eine wahrscheinlich relativ konsistente Besiedlung seit den Zeiten von Jesus oder dem Bar-Kochba-Aufstand, nur war die Bevölkerung nunmehr nicht nur in Christen, traditiopnelle Juden und Moslems gespalten, sondern unter den Moslems zeichnete sich eine Spaltung wischen Sunniten und Schiiten ab. Es handelte sich allerdings offensichtlich um allseitiges religiöses Sektiertum, so wie überall sonst auch in der frühmittelalterlichen Levante.

Aus den jüdischen Bevölkerung des Jahres 0 waren also insgesamt mindestens vier Glaubensrichtungen hervorgegangen. Von einer Einwanderung durch „Araber“ oder anderen größeren Populationen ist nirgendwo die Rede.

Am 15. Juli 1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem und brachten fast die gesamte Zivilbevölkerung um (das waren, zur Erinnerung, bereits traditionelle Juden, Christen verschiedener Konfessionen, sowie Moslems verschiedener Konfessionen).

Enden wir mit dieser historischen Betrachtung im Hochmittelalter.

Während es unter ayyubidischer und christlicher Verwaltung im 13. Jahrhundert für die Bewohner und besonders für das Pilgerwesen in der Praxis kaum einen Unterschied gemacht hatte, welcher Machthaber die Stadt besaß, galten unter mamlukischer Herrschaft nur Muslime als vollgültige Bürger. Christen und Juden mussten sich durch ihre Kleidung kenntlich machen. Sie durften ihre Religion als Anhänger einer Buch-Religion zwar ausüben, wurden aber rechtlich in fast allen Lebensbereichen diskriminiert und mussten eine Zusatzsteuer zahlen. Dennoch existierten im 14. und 15. Jahrhundert weiterhin ein christliches und ein jüdisches Viertel in der Stadt und der Strom christlicher Pilger riss keineswegs ab. Die ausführliche Schilderung einer spätmittelalterlichen Jerusalempilgerfahrt enthält der Reisebericht des Zürcher Dominikaners Felix Faber, der 1483 nach Jerusalem pilgerte und die Heiligen Stätten besichtigte.

Die palästinensische Bevölkerung Palästinas war und blieb also in einen jüdischen, einen christlichen und einen islamischen Bevölkerungteil unterteilt. Die Machtverhältnisse änderten sich immer mal wieder und die Verhältnisse der Religionsgruppen untereinander auch.

Aber – und das werden Sie sicher auch festgestellt haben – von einer Diapora und einer massiven Auswanderung „der Juden“ aus Palästina im gefolge des gescheiterten Bar-Kochba-Aufstandes kann keine Rede sein. Vielmehr konvertierten Teile der ursprünglich religiös rein „jüdischen“ Bevölkerung zuerst zu irgendwelchen christlichen, später zu irgendwelchen muslimischen Konfessionen.

Erst der nationalistische und rassistische Wahnsinn des 19. und 20. Jahrhunderts hat aus jahrhundertelangen religiösen Auseinandersetzungen innerhalb der palästinensischen Bevölkerung eine „völkische“ Frage gemacht. Die Einwanderer, die ab der Nakba 1948 nach Palästina einströmten,   waren also letztlich tatsächlich nichts anderes als Fremdlinge, die sich für Nachkommen der ursprünglichen  Bevölkerung der Antike hielten. Und die ansässigen Palästinenser waren und sind genau die direkten Nachkommen dieser ursprünglichen Bevölkerung, und sie wissen nichts davon.

Wahnsinn. Rassistischer Wahnsinn, vor allem produziert durch den Zionismus.

Das auch verbohrte Zionisten irgendwo die tatsächliche Wahrheit wenigstens erahnen, sieht man an folgendem Artikel.

http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/23330/Default.aspx?article=related_stories

Wollte man also wirklich einer völkischen, rassistischen Logik folgen (was ich definitiv NICHT will), dann müsste man sagen:

Das, was israelische Rassisten den Palästinensern antun, tun sie letztlich ihrem „eigenen Volk“ an.

Aber deswegen muss man die Dummheit ja ausmerzen, weil sie dumm macht allen die ihr begegnen.

siehe auch:

Delegitimation des zionistisch-israelischen Rassismus

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