Polyamorie

Ich beschäftige mich immer wieder auch mal mit dem Thema Polyamorie.

Was der Begriff bedeutet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamory

In einer facebook-Gruppe wurde neulich folgende Frage aufgeworfen:

Polyamorie betrifft eher gebildete Menschen! Wie seht ihr das?

Normalerweise halte ich mich in solchen Gruppen mit Äußerungen zurück, sondern beobachte nur, weil ich die existierenden Gruppen meist als sehr elitär einschätze und diese Bewegung mehr den Charakter eines modischen Hyps hat als den einer wirklich kulturrevolutionären Bewegung. Aber diese Frage rührte genau an diesem Thema: Ist das Thema Polyamorie wirklich nur etwas für „gebildete“ oder gar „erleuchtete“ Menschen?

Ich habe folgendes dazu geschrieben als Kommentar:

Ich meine, dass Polyamorie ein (bei verschiedenen Individuen verschieden stark ausgeprägtes) Grundrepertoire des menschlichen Verhaltens ist, was sich an den nächsten Verwandten des Menschen, den Bonobos, gut nachvollziehen läßt. Demnach hat Sexualität keineswegs die alleinige Funktion der Fortpflanzung, sondern dient vielmehr zur Herstellung sozialer Beziehungen in der (säugetiertypischen) Horde. Die Verengung auf die Monogamie (die von den Grundmustern eigentlich eher minoritär ist) geschah aus soziokulturellen Gründen: die Entstehung des Gens („Sippe“), das Aufkommen des Privateigentums, welches eine Kontrolle der Erbfolge notwendig machte und auch da zunächst nur die Frau betraf (deren Sexualität eingeschränkt und letztlich geknechtet wurde). Im Laufe längerer Prozesse entstand daraus der Mythos der lebenslangen monogamen Liebesbeziehung (die in Einzelfällen auch durchaus den Neigungen mancher Individuen entsprechen mag, aber keinesfalls im allgemeinen).
Diese Zusammenhänge zu durchschauen, dazu bedarf es natürlich eines gewissen Maßes an Bildung, weil man ansonsten in kulturellen Normen befangen bleibt, deren Entstehung und Ursache man nicht durchschaut und begreift.
Aber das bedeutet nicht, dass Polyamorie nur gebildete Menschen betrifft. Sie haben es nur leichter, solche Zusammenhänge zu sehen, was allerdings auch nicht zwangsläufig ist, denn auch Bildung ist ideologiedurchseucht und da braucht es eigenständige Denker.
Die gestellte Frage ist also mit Einschränkungen zu verneinen. Ich bin der Meinung, dass Polyamorie ein majoritäres Grundrepertoire menschlicher Neigungen ist, unabhängig vom Bildungsgrad. Nur die Bewusstheit darüber mag verschieden sein.

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Ein Gedanke zu “Polyamorie

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