Unfähige Kommunistische Partei Griechenlands – eine politisch-sozialpsychologische Kurzstudie

Zum Thema Kommunismus und Attraktivität. Und zum Thema Griechenland und aktuelles Wahlergebnis dort. Einige Gedanken.

Für den großen utopischen Sozialisten Charles Fourier war der Begriff der „attractions“ (=Anziehungskräfte) ganz zentral in seiner Sozialphilosophie.

„Die Anziehungen sind proportional zu den Bestimmungen“.

(französisch „attractions“)
Dieser Satz steht auf dem Grabstein Charles Fouriers auf dem Montmatre.
Er war (nicht nur) meiner Meinung nach der größte aller utopischen Sozialisten, sondern mit eherner Konsequenz auch der letzte.
Er war es, der in den Jungeheglianern Marx und Engels ab 1842 durch seine Schriften eine tiefgreifende geistige Wende auslöste, deren sichtbares Ergebnis die „Thesen über Feuerbach“ waren.
Die Attraktionen (Attraktivität, Anziehungskräfte) sind proportional den Bestimmungen (der Bestimmung).
Der Mensch kann nur kraft vielfacher Beziehungen seine Bestimmung finden. Als Einzelner ist er nicht in der Lage, sich zu entfalten. Diese Beziehungen werden durch Anziehungskräfte („attractions“) zwischen Menschen hergestellt.
Es gibt eine Art vom dumpfbackigem „Kommunismus“ im politischen Sinn, der kann mit Attraktivität (=Anziehungskraft) rein gar nichts anfangen. Sie sehen ihre Aufgabe in der Belehrung des tumben Proletariats.
Neulich schrieb so ein Komiker: „Wer nach der Attraktivität eines kommunistischen Angebots fragt, der (…) versteht sich als demokratischer Untertan.“

Diese Art von Pseudo-„Kommunismus“ ist sogar erklärtermassen „unattraktiv“.

Das Proletariat in Deutschland bildet auch in Griechenland gut 70-80% der Bevölkerung.

Also wären es 35-40% der Bevölkerung, deren Vertrauen eine revolutionäre Partei gewinnen müsste. Ich glaube, dass das durchaus möglich ist.
Aber diese Betrachtung sollte klar machen, worum es geht.

Das Proletariat ist segmentiert in viele Schichten, Sektoren, Subkulturen, Szenen usw. Eine revolutionäre Partei muss in der Lage sein, all diese vielen Mosaikstückchen dieser potentiell mächtigen Klasse anzusprechen und mit ihnen produktiv zu kommunizieren.

Eine revolutionäre Arbeiterpartei braucht vor allem kommunikative Kompetenz, all diese zahllosen Sektoren anzusprechen und dahingehend zu einen: „Welche Leidenschaften und Marotten ihr auch immer habt, laßt uns zusammenstehen, um den kapitalistischen Wahnsinn zu beenden und die gesamte Breite der öffentlichen Daseinsvorsorge in öffentliche Hand zu nehmen, wobei ihr alle eure Vorgesetzten selbst wählen sollt. Wär das eine Perspektive?“

Jetzt las ich gerade die Erklärung des Generalsekretärs des ZK der KKE, Dimitris Koutsoumbas, zum aktuellen Wahlergebnis in Griechenland. Schauen Sie da mal rein und dann reden wir mal darüber:

http://de.kke.gr/de/articles/Die-KKE-wird-ihre-Kraft-fuer-den-Wiederaufbau-der-Bewegung-fuer-das-Volksbuendnis-einsetzen/

Beurteilen wir diesen Text doch mal danach, wie „attraktiv“ er ist, d.h. welche Angebote die „Partei der Arbeiterklasse“ dieser Arbeiterklasse  (die mehrheitlich eben NICHT KKE wählt) da macht.

Versetzen wir uns in die Rolle und Situation einer/s ganz normalen Arbeiters / Arbeiterin in Griechenland (70-80% der Bevölkerung),  sollte nicht schwerfallen.
Wir lesen da:

Die KKE grüßt die hunderttausenden Wählerinnen und Wähler, die die Partei mit ihrer Stimme geehrt haben…

Nicht daß die KKE unbedeutend wäre, 5,5% sind kein Pappenstil, aber weit entfernt davon, auch nur eine einflußreiche Minderheit des Proletariats darzustellen. Eine Randgruppe des Proletariats, eine große zwar, aber eben eine Randgruppe.
Und in ihrer Botschaft nach der Wahl grüßt diese Partei vor allem die eigenen Wähler. Nett. Irgendwelche Botschaften für diejenigen, die die KKE NICHT gewählt haben?

Die KKE wird ihre politische und parlamentarische Kraft für den Wiederaufbau und die Stärkung der Arbeiter- undVolksbewegung, für den Aufbau eines großen gesellschaftlichen Volksbündnisses, einsetzen.

Die „Arbeiter- und Volksbewegung“, das „große gesellschaftliche Volksbündnis“. Hm. Bin ICH damit auch gemeint? Fragt sich der Proletarier, der aus welchen Gründen auch immer KKE diesmal NICHT gewählt hat?
Sieht eher so aus als ob die KKE damit wieder diejenigen meint, die ohnehin zu ihrem Laden gehören. Irgendwelche Angebote an die vielen verwirrten Wähler von Sriza, Volkseinheit, Pasok, Antarsya usw., oder an die Nichtwähler (fast 47%) ? Vorschläge vielleicht für gemeinsame Aktionen der Arbeiterklasse (70-80% der Bevölkerung) insgesamt? Konkrete Vorschläge, gemeinsam, auch über Parteigrenzen hinweg, für die gemeinsamen Interessen aller Proletarier aktiv zu werden?
Nö, Fehlanzeige. Stattdessen Selbstbeweihräucherung:

Die KKE ist die einzige Kraft, deren Kampf gegen die Memoranden gleichzeitig ein konsequenter Kampf gegen das kapitalistische System selbst ist, und gegen die Wolfsbündnisse, die dem Volk, dem Land und der Jugend nur Übel mit sich bringen.
Die KKE wird, wie bisher, an der Seite des Volkes stehen, beharrlich gegen jede Regierung, die dabei ist, das brutale Memorandum umzusetzen.

Die KKE steht „wie bisher“ „an der Seite des Volkes“ (wer ist das alles?) und belehrt dieses, dass sie selbst die einzige Kraft ist, die gegen das kapitalistische System kämpft.

 Wie immer.
Das Wahlergebnis ist insgesamt negativ für die arbeitenden Menschen, die Lohnabhängigen, die Selbständigen in den Städten und auf dem Land, die jungen Menschen, die Rentner.

So sorry. Es fehlt nur noch: „Selbst schuld, dass ihr uns nicht gewählt habt! Ihr Trottel!“

Eine noch stärkere KKE ist überall notwendig, in den Betrieben, den Schulen und Universitäten, in den Stadtteilen, dort, wo im wirklichen Leben das Herz unseres kämpfenden und hart leidenden Volkes schlägt.
Die verwirrten und zersplitterten Frauen und Männer des griechischen Proletariats sollen also der KKE beitreten, wenn sie etwas tun wollen. Das ist klar und deutlich, oder? Und warum? Und wozu? Und wo soll es hingehen?
Damit die KKE noch stärker wird, das ist doch klar.
So sieht also das Angebot der KKE, die eine durchaus bedeutende, aber letztlich nicht wesentliche Minorität der Klasse hinter sich hat, an die erdrückende Mehrheit dieser Klasse aus. Die Baut-die-Partei-Auf!-Partei bietet an: Baut die Partei auf!
Ich frage: wie attraktiv (anziehend) ist eine solche Botschaft?
Nachbemerkung: die KKE ist von allen Parteien dieses „unattraktiven“ Typs noch die größte und vergleichsweise relativ einflußreich. Aber die gleiche völlig wirkungslose Methode der „Kommunikation mit der Arbeiterklasse“ findet sich auch bei zahlreichen Baut-die-Organisation-aus-Organisationen weltweit.

In welchem Verhältniß stehen die Kommunisten zu den Proletariern überhaupt?

Die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den andern Arbeiterparteien.

Sie haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen.

Sie stellen keine besondern Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen.

Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß einerseits sie in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungs-Stufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamt-Bewegung vertreten.

https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_%281850/51%29

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4 Gedanken zu “Unfähige Kommunistische Partei Griechenlands – eine politisch-sozialpsychologische Kurzstudie

  1. Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    https://bewusstscout.wordpress.com/2015/02/10/urteil-aus-dem-istgh-den-haag-vom-03-02-2012-bestatigt-die-zustandigkeit-des-deutschen-reichs/
    „Das Urteil aus dem ISTGH (Internationaler Strafgerichtshof) Den Haag vom 03.02.2012 bestätigt die Zuständigkeit des Deutschen Reichs und nicht die Zuständigkeit der “Bundesrepublik Deutschland“ mit ihrer Finanzagentur GmbH, (HRB 51411), wobei die vermeintlichen “BRD–Ämter”, Behörden, Dienststellen, “Gerichte” und Verwaltungen u.a . bei dnb.com mit eigenen Umsatzsteuernummern gelistet sind.
    Urteil des BverfGE vom 25.07.2012 (-2 BvF 3/11 -2 BvR 2670/11 -2 BvE 9/11):
    Nach Offenkundigkeit dürfen Gesetze von nicht staatlichen BRD-GmbH Ausnahme– und Sondergerichten (vgl. § 15 GVG) die auf altem Nazigesetz fußen und somit gegen das gültige Besatzungsrecht, gegen die Völker – und Menschenrechte verstoßen, überhaupt keine legitime Anwendung finden.
    Durch Verfassungswidrigkeit des Wahlgesetzes ist seit 1956 kein verfassungsgebenden Gesetzgeber am Werk. Damit sind alle BRD-Forderungen eine private Forderung.
    Verstehen Sie das bitte! Alle BRD-Forderungen (Steuern jeglicher Art, GEZ-Gebühren usw. usf. sind private Forderungen, haben also keinerlei hoheitsrechtliche Rechtsgrundlage und müssen demnach auch nicht bezahlt werden. …………………….“

    https://bewusstscout.wordpress.com/2014/12/04/richterinnen-und-beamte-weigern-sich-ihre-urteile-und-beschlusse-personlich-zu-unterschreiben/


    Glück, Auf, meine Heimat!

      1. Es scheint selten geworden zu sein, daß jemand der Arroganz der herrschenden Ausbeuterklasse und ihren dümmlichen Lakaien widerspricht… Auch wenn die Bourgeoisie meint, heute allein das Feld zu behaupten, auf dem politische Auseinandersetzungen geführt werde – der Sozialismus wird das betrügerische kapitalistische Ausbeutersystem eines Tages beiseite fegen. Da hatte Stalin schon recht. Wir werden sehen…

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