Meine Sicht des „syrischen Bürgerkrieges“, zum Assad-Regime und zur YPG

Extrakt aus einem entsprechenden Disput in einer facebook-Gruppe

Einige stalinistische Gruppen und Personen sind über die Frage, ob in Syrien das Assad-Regime oder die YPG zu unterstützen wären, tief gespalten und bewerfen sich gegenseitig mit Hass-Ausbrüchen. Die einen sind 100% für Assad, die anderen 100% für die YPG. Den Göttern sei Dank ist niemand für den Islamischen Staat, aber wer weiß, was da noch möglich ist. Leider gibt es allerdings Gruppen, die die zur bloßen Adresse für Waffenlieferungen an den IS verkommenen FSA (Freie Syrische Armee), die so gut wie vollständig von der CIA gekapert wurde, noch für eine eigenständige militärisch-politische Kraft halten, weil diese „säkular und moderat“ sei, was nicht stimmt und nur eine mediale Legende ist.
Wäre eigentlich ganz lustig, aber das zugrunde liegende Thema ist zu ernst.
Mein Diskussionsbeitrag wurde sofort von einer Seite dieser Front mit wütenden Hass-Kommentaren beantwortet und plötzlich war ich geblockt.

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Da ich mal wieder von selbsternannten „Helden der Arbeiterklasse und des Sozialismus“ geblockt wurde, hier meine Position zu Syrien, zur YPG etc zusammengefasst und konzentriert:

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Pedro Kreye Der gesamte mittlere und nahe Osten ist historisch ein Flickenteppich von Ethnien und Religionsgruppen. Was eigentlich ein Vorzug ist. In diesem islamischen Raum haben über 2000 Jahre beispielsweise christliche Gruppen historisch überlebt, die im Machtbereich der Römisch-Katholischen Kirche längst ausgerottet wurden.

Imperialistische Strategie ist es, dieses Gemisch aus Ethnien und „ethnienartigen“ Regigionsgruppen entlang konstruierter ethnizistischer und religiöser Linien so weit aufzuspalten wie es auch immer geht. Hier ist vor allem der definitiv von der US-Besatzungsmacht inszenierte „Religionskrieg“ im Irak 2003-2006 als Modellbeispiel zu nennen.

1. Was die kurdische Bewegung (YPG) angeht, so übe ich kritische Solidarität. Wo es trotzdem zu ethnizistischen Übergriffen kommt, so verurteile ich sie und rate der YPG, diese konsequent zu unterbinden. Das Konzept des „demokratischen Konföderalismus“, das die PKK bei Bookchin entdeckt hat, halte ich zwar auf lange Sicht für unzureichend, aber als „Strategie mittlerer Reichweite“ für diesen Raum durchaus für tauglich, da es eben auch vom Separatismus Abstand nimmt. Dazu aber müssen jegliche ethnizistische Übergriffe radikal verhindert werden.

2. Was das Assad-Regime angeht, so halte ich es für eines der letzten überlebenden arabisch-nationalistischen Regime, definitiv bürgerlich, aber auch antiimperialistisch. Antiimperialistisch deswegen, weil der Imperialismus genau diese Art von Regimes ausrotten will.

3. Ein bürgerlich-nationalistisches Regime als solches unterstütze ich nicht auf der Politischen Ebene, sondern halte es bestenfalls für eine Übergangsform.

4. Den Krieg in Syrien sehe ich vor allem als ausländischen Interventionskrieg an. Es ist nur ein vom Imperialismus konstruierter Schein-Bürgerkrieg. Alle erwähnenswerten „Rebellengruppen“, vom IS ganz zu schweigen, aber ausgenommen die YPG, sind de facto Söldnerarmeen im Dienste der US-zionistisch-wahabitischen Achse. Damit ist der Syrienkrieg einer ausländischen Intervention gleichzusetzen. Für mich heißt das, das angegriffene bürgerlich-nationalistische Regime Assads (und die diversen Bevölkerungsteile, auf die es sich stützt), gegen die imperialistische Intervention zu verteidigen. Wo es militärisch nicht möglich ist (mir ist es eben nicht möglich), dann eben publizistisch durch Anprangerung der Intervention. Wäre es möglich, die ausländischen Interventen an der Seite der syrischen Armee zu bekämpfen, würde ich dies auch ausdrücklich befürworten. Dazu muss ich mich nicht mit dem Assad-regime auch politisch identifizieren.

5. Eine Frontstellung Assad-regime contra YPG halte ich sowohl für politisch als auch militärisch für kontraproduktiv. Das spielt dem Imperialismus in die Hände. Ich trete GEGEN eine solche Frontstellung ein. Beide Seiten fordere ich auf, de facto mindestens eine militärische Einheitsfront einzugehen, wo es noch nicht geschehen ist. Das Assad-Regime fordere ich auf, die Autonomie (NICHT die Separation, die gar nicht beabsichtigt ist) der von der YPG kontrollierten Gebiete zu respektieren. Die YPG fordere ich auf, alles zu unterlassen, was in Richtung ethnizistischer oder religiöser Spaltung gehen könnte, was das Recht auf Selbstorganisation für alle ethnischen Minderheiten in den von der YPG kontrollierten Gebieten einschließt.

6. Strategisches Ziel muss eine Sozialistische Demokratische Konföderation der Völker des Orients sein.

7. Die Konstruktion einer unbedingten Gegnerschaft von Syrien und der YPG kann sowohl aktuell als auch strategisch nur den Interessen des Imperialismus in die Hände arbeiten. Ich wünsche mir, dass das zu Bewusstsein kommt.

Dixi et salvevi animam meam

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Pedro Kreye Das Assad-Regime ist grundsätzlich ein autoritäres bürgerliches Regime und unterdrückte in der Vergangenheit – nur nebenbei bemerkt – auch kommunistische Organisationen und Parteien in Syrien. Schon vergessen, die Zusammenarbeit Syriens mit den USA im Zusammenhang mit sogenannten „Folterflügen“?

Die völlig unsinnigen überzogenen Repressionsmaßnahmen gegen lokale Revolten in Ost-Syrien gaben der US-zionistisch-wahabitischen Achse überhaupt erst die Möglichkeit, sich mit ihrem Konstrukt FSA einzuklinken. Die FSA war von Anfang an ein völlig heterogener Haufen und wurde sehr schnell vom Imperialismus okkupiert oder gekapert, um als Durchgangsstation zur Versorgung zuerst der massenmörderischen Al Nusra und dann des IS zu dienen. Nach meiner Analyse geschah die Fütterung des IS tatsächlich dadurch, dass Teile der FSA mit Waffen und Geldern vollgepumpt wurden, um dann einheitenweise – wie durch Zufall – zum IS überzulaufen, manchmal mit einem Umweg über „Al Nusra“ oder andere Banden. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht vereinzelt Teile der FSA gegeben hätte oder vielleicht (vielleicht!) auch noch gibt, die mit IS oder der mörderischen Al Nusra gar nichts am Hut haben. Übrigens ist es auch der syrischen Armee jüngst gelungen, Teile der FSA zum Überlaufen zu bringen. Die YPG ihrerseits ist mit versprengten Truppenteilen, die auch unter dem Namen „FSA“ auftreten, verbündet (vor allem im Norden an der Grenze zur Türkei), da wo unmittelbare bedrohung durch den IS besteht.

Die Situation dort unten ist komplex und muss auch entsprechend betrachtet werden.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang, nebenbei bemerkt, dass Leute diverser stalinistischer Ausrichtung sich offenbar nur in Schwarz-Weiß-Denken einig sind: Assad guuut, alles andere schleeecht einerseits und YPG guuut, alles andere schleeecht andererseits.

Wie kommt es, dass die Fähigkeit zu einer differenzierten Betrachtung so völlig abhanden kommen kann?

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Pavel Pavlovich Die FSA war VON ANFANG AN imperialistisches Werkzeug. Diese syrische Revolte war JAHRELANG geplant worden. Also halt dein dummes Maul!

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Pedro Kreye Die Qualität und Wortwahl deiner Beitrages spricht für sich. Nein, ich halte nicht mein Maul. „smile“-Emoticon

Gefällt mir · Antworten · 4 Min · Bearbeitet

Pedro Kreye

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Pedro Kreye Selbstkritik:

Ich schrieb: „Wie kommt es, dass die Fähigkeit zu einer differenzierten Betrachtung so völlig abhanden kommen kann?“

Vielleicht war sie ja nie vorhanden.

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3 Gedanken zu “Meine Sicht des „syrischen Bürgerkrieges“, zum Assad-Regime und zur YPG

      1. Die Bourgeoisie und ihre trotzkistischen und pseudolinken Lakaien glauben vielleicht, heute allein das Feld zu behaupten, auf dem politische Auseinandersetzungen geführt werden – der Sozialismus wird das verbrecherische kapitalistische Ausbeutersystem eines Tages beiseite fegen. Da hatte Stalin schon recht. Wir werden sehen…

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