Notizen und Thesen zum Artikel „Die neue syrische Opposition“

Ich beziehe mich auf folgenden Artikel:
https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2015/10/14/die-neue-syrische-opposition/

Ich beobachte die genannten Phänomene auch schon eine ganze Weile. Die im Artikel genannten Fakten und Informationen erscheinen mir verläßlich.

Ich setze voraus, dass Sie, liebe Leser, den Artikel gelesen haben, denn ich beziehe mich im wesentlichen auf Fakten dieses Artikels und formuliere einige Thesen dazu.

  1. Es zeichnet sich in der Tat eine – durchaus heterogene – Achse Damaskus – „YPG und Partner“ (= Neue Syrische Opposition) – Irakische Regierung – Iran – Russland ab. Diese Achse ist der US-zionistisch- wahabitischen Achse entgegengesetzt.
  2. Es zeichnet sich – in Zusammenhang mit den kürzlichen Äußerungen Obamas in einem Interview (wo er die Kriege in Syrien und Irak als gescheitert bezeichnet) – eine Spaltung der us-amerikanischen Oligarchie ab. Ein Flügel, personifizerbar in der Person des politischen Monstrums McCain, will den aggressiven Konfrontationskurs der USA inklusive „Regime Changes“ im Nahen und Mittleren Osten unter allen Bedingungen fortsetzen. Ein anderer Flügel hält das auf die Dauer für zu gefährlich, denn bei diesen Aktionen ist auch eine Menge schief gegangen.
  3. Die Widersprüche innerhalb der US-Zionistisch-wahabitischen Achse, zu der nebenbei bemerkt auch die Erdogan-Regierung in der Türkei gehört sind gewaltig, gewaltiger als bei der feindlichen Achse Damaskus – YPG – Irak – Iran – Russland. Es ist hierbei wichtig zu beachten, dass alle Beteiligten an dieser monströsen reaktionären Achse nach aussen hin ganz andere Sachen behaupten müssen als sie tatsächlich tun. So äußerte sich Erdogan in der Vergangenheit immer mal wieder kritisch gegenüber Israel (z.B. Gaza Flotilla), tatsächlich arbeiten die türkischen und die israelischen Apparate auf allen Ebenen eng zusammen. Israels Regierung malt der eigenen Bevölkerung ein Schreckenbild von islamistischen Halsabschneidern, von denen der Apartheidstaat umgeben ist, tatsächlich aber haben zionistische Apparate an der Konstruktion der islamistischen Bestien tatkräftig mitgewirkt, gemeinsam mit dem „Erzfeind“ Saudi-Arabien, der in Wirklichkeit ein Partner der Zionisten ist. Die saudische Monarchie ihrerseits muss ihre Allianz mit dem zionistischen Apartheidsstaat naturgemäß leugnen, zumindestens vertuschen, so gut es geht.
  4. Die Widersprüche in der Achse Damaskus – YPG – Irak – Iran – Russland sind gemessen daran geringer, denn zumindest gibt es ein klares gemeinsames Ziel: Zerschlagung der von der zionistisch-wahabitischen Achse geschaffenen vielköpfigen islamistischen Bestie (Islamischer Staat, Al-Nusra, sonstige Terrorbanden, auch unter dem unglaubwürdigen Firmenschild „FSA“).
  5. Zum Regime in Damaskus. Ich nenne es nicht das Assad-Regime, wie die westliche Kriegspropaganda, sondern das Regime in Damaskus, so wie es die Journalistin Karin Leukefeld auch tut, die sehr wohl deutlich gemacht hat, dass der amtierende Assad alles andere als ein „Tyrann“ und „Diktator“ ist, sondern eher ein Aushängeschild als Sohn seines Vater. Das Regime in Damaskus ist im wesentlichen die säkulare Bourgeoisie Syriens, pan-arabisch oder zumindest syrisch-nationalistisch orientiert, die in Assad ihre Symbolfigur sieht. Hinter die Assad-Regierung haben sich allerdings auch die meisten Organisationen der syrischen Linken versammelt und praktizieren eine Volksfront-Strategie auf arabisch.
  6. Wahrhaften Sozialisten ist nicht anzuraten, sich mit dieser autoritären bürgerlichen Regierung zu identifizieren, bei aller Unterstützung im gemeinsamen Kampf gegen die vom Westen geschaffene islamistische Bestie. Jemanden kritisch zu unterstützen (auch propagandistisch oder militärisch) bedeutet nicht, sich auch politisch zu identifizieren. Militärisch gibt es freilich nur zwei Seiten einer Barrikade, und der Platz von Sozialisten und/oder Revolutionären ist mit Sicherheit nicht auf der Seite des Islamischen Staates, Al Nusra usw. Sollte es wirklich noch „moderate“ (d.h. nicht-islamistische) Teile einer „FSA“ geben, so handeln sie politisch völlig verantwortungslos und müssen die Folgen dafür auch zwingend tragen.
  7. Das Regime in Damaskus büßt mit dem Bürgerkrieg für seine Sünden der Vergangenheit, hier vor allem die bis 2011 rigide durchgeführte Arabisierungspolitik (z.B. gegenüber den syrischen Kurden). Es wird gezwungen sein aufgrund der aktuellen Entwicklungen für diese Sünden der Vergangenheit Busse zu tun in Form einer faktischen Allianz mit der „Neuen Syrischen Opposition“. Ohne einen dauerhaften Pakt mit dieser „Neuen Syrischen Opposition“ wird der Krieg gegen die islamistische Bestie auf Dauer nicht zu gewinnen sein.
  8. Die Option der PYD ( politischer Arm der YPG ) des „demokratischen Konföderalismus“ verdient als „Strategie mittlerer Reichweite“ durchaus kritische Unterstützung. Denn nur wenn die Autonomie und die Selbstverwaltung aller religiösen, thnischen usw. Minderheiten in der jahrhunderte alten multikulturellen Gesellschaft Syriens gewahrt und geschützt sind, kann zum einen die vielköpfige islamistische Bestie bekämpft werden, zum anderen die territoriale Integrität Syriens bewahrt und vor der Zerschlagung in lebensunfähige Kleinstaaten und Warlord-Territorien behütet werden.
  9. Wie allerdings jeder Kenner der Region weiß: die Grenzen sind alle künstlich von den ehemaligen Kolonialmächten (speziell Frankreich und Großbritannien) gezogen worden. Zusätzlich wurde diese seit 1918 bestehende Situation noch durch die Gründung des rassistischen Apartheidstaates Israel 1948 verschärft. Dieses war der erste explizit rassistisch – religiös sektiererische Staat in dieser Region und es liegt klar im Interesse der „westlichen Wertegemeinschaft“ (internationale kriminelle Vereinigung unter Führung der USA), den Nahen und Mittleren Osten in einen Flickenteppisch solch sektiererischer Kleinstaaten zu verwandeln. Die langfristige Alternative kann nur eine demokratische sozialistische Konföderation mit Autonomierechten für alle Minderheiten sein, die im übrigen notwendigerweise die Türkei mit einschließt.
  10. Das Attentat in Ankara am 10.10.2015, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom „tiefen Staat“ durchgeführt worden ist, drückt die Panik und Verzweiflung dieses verdeckten terroristischen Apparates angesichts der aktuellen Entwicklungen aus. Die Drahtzieher der Mörder sehen sehr wohl die politische (und tendenziell auch die militärische) Gefahr, die von einem autonomen Rojava an der Südgrenze ausgeht. Rojava verdient weiterhin die ausdrückliche Unterstützung aller Linken und der gesamten Arbeiterbewegung weltweit. Wer jetzt noch einer Feindschaft gegen die YPG das Wort redet, handelt wissentlich oder unwissentlich zum Nutzen der zionistisch-wahabitischen Achse. Der YPG ist zu raten, jeden Hauch ethnizistischer Separierung in den eigenen Reihen zu bekämpfen (die Propaganda der „westlichen Wertegemeinschaft“ versucht gerade mal wieder, Kapital aus dem Thema zu schlagen). Dies ist noch wichtiger als sonstwo auf der Welt, wo es um Selbstbestimmung nationaler Minoritäten geht.

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Ein Gedanke zu “Notizen und Thesen zum Artikel „Die neue syrische Opposition“

  1. Sorry mein lieber, aber dieses Konstrukt oben hat sehr, sehr, seeeehr wenig Sinn. Zeugt aber durchaus von blühender Fantasie.

    Bereits 1) ist völlig daneben – es gibt einen neue Achse Israel + Araber + Egypten, da ist aber die USA nicht dabei, sondern eher dagegen.

    Usw., wäre jetzt zu mühsam alles durchzugehen.

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