Wo kommt der Begriff „Querfront“ her und welche Funktion hat er?

„Querfront“ ist ein seit 2014 aufgetauchter Begriff, nicht etwa nur in der degenerierten „linken Szene“, sondern auch in den Mainstream – Medien.

„Querfront“ wurde den Mahnwachen 2014 unterstellt, „Querfront“ natürlich auch den „Putin-Verstehern“, aber seltsamerweise auch Sahra Wagenknecht von der Linkspartei.

Klar ist nur eines: „Querfront“ ist was ganz ganz schlimmes, auch wenn kaum jemand eine Ahnung davon hat, was er eigentlich bedeuten soll.

Diesbezüglich löst der Begriff „Querfront“ Begriffe wie „Antisemit!“ oder „sekundärer Antisemitismus“ ab, die noch in jüngerer Zeit als Diffamierungsettikett von der sogenannten Transatlantifa gebraucht wurde.

Eine ähnliche Funktion hatte der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ für alle Menschen, die wurmstichigen regierungsoffiziellen Erklärungen zu terroristischen Massenmorden keinen Glauben mehr schenken wollten.

Aus einem Posting in facebook:

Der Querfront-Vorwurf hat die gleiche Zielsetzung in einer anderen Konstellation. Er dient Verschiedenem, im konkreten Fall der Abwertung jener Kräfte in der deutschen Linkspartei, die den Kurs der sogenannten Reformer nicht mitmachen wollen. Langfristiges Ziel ist die Entmachtung aufmüpfiger Personen vom Typ Sahra Wagenknecht und die Stabilisierung des Anpassungskurses der sogenannten Reformer.

Der Querfront-Vorwurf hat im Umgang mit der neuen Friedensbewegung die Funktion gehabt, zu verhindern, dass sie Wirkung entfaltet. Zunächst wurde die Mahnwachenbewegung und dann auch der sogenannte Friedenswinter als teilweise von rechts geprägt diffamiert. An einem einschlägigen Vorgang kann man gleich Mehreres zeigen:

Am 1.12.2014 erschien in der TAZ ein Interview mit dem oben erwähnten Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei, Lederer. In diesem Interview greift Lederer Sahra Wagenknecht wegen ihrer Unterstützung des Aufrufs zur Friedensdemonstration am 13. Dezember 2014 an. Es heißt dort:

„Das ist ein Offenbarungseid“

FRIEDENSBEWEGUNG Linkspartei-Reformer Klaus Lederer attackiert Sahra Wagenknecht, weil sie einen umstrittenen Aufruf unterzeichnet hat. „Ich sehe das mit Gruseln“

Im Interview selbst wird die vorgesehene Demonstration vor dem Sitz des Bundespräsidenten, dem Schloss Bellevue, als das Werk von Verschwörungstheoretikern und Querfront-Strategen niedergemacht.

Im konkreten Fall kann man dann nachweisen, dass nichts davon eintrat. Rechte hatten bei dieser Kundgebung nichts zu sagen. Hauptredner war Eugen Drewermann, ein untadeliger Vertreter der alten Friedensbewegung. Allerdings, die Berichterstattung in der TAZ, in der Frankfurter Rundschau, im Kölner Stadtanzeiger, im Berliner Tagesspiegel und einigen Blättern mehr blieb auf der Linie der angelegten Vorwürfe.

Auch an diesem Vorgang wird die besondere Infamie sichtbar: Personen wie Lederer und wohl auch andere Kritiker Sahra Wagenknechts wie Gysi und Kipping können sich der Unterstützung durch einen Zirkel von Medienschaffenden sicher sein, für die nicht Fakten sondern bestimmte Linien der Auseinandersetzung ausschlaggebend sind und die immer für einen Querfront-Vorwurf zu haben sind.

Nach meiner Einschätzung haben sich irgendwelche Schlauköpfe in irgendeinem „Think Tank“ das mit der „Querfront“ einfallen lassen. Das ist rhetorisch so eine richtige Allroundwaffe, so wie etwa auch die Antisemitismuskeule (die nach meiner Meinung auch von transatlantisch-zionistischen Apparaten ersonnnen wurde).

Das ist durchaus schlau und clever.

Denn unversehens entwickelt sich daraus auch eine „Querfront“-Keule, die die transatlanischen Apparate jederzeit verwenden können, um auf linke Persönlichkeiten einzudreschen, die mehr als nur „linke“ Phrasen auf den Lippen führen.

Der historische Begriff „Querfront“ bezog sich überdies auch nur auf die hilflosen und letztlich erfolglosen Versuche des Reichskanzlers Kurt von Schleicher, SPD und ADGB einerseits und den Strasser-Flügel der NSDAP andererseits zu seiner Unterstützung einzubinden. Sein Konzept war: Einbindung der Arbeiterinteressen und deren politischer Vertretung (zumindest der SPD). Deswegen wurde von Schleicher witzigerweise von der Rechten als „roter General“ beschimpft. Wenn man Marxist ist und kein Blödian der „linken Szene“, dann weiß man, dass das ein Versuch war, ein bonapartistisches Regime zu errichten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_von_Schleicher

Zum Begriff Bonapartismus:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bonapartismus#Marxismus

Da die Spin Doktoren in den transatlantischen Think Tanks aber wissen, dass die „linke Szene“ in Deutschland hauptsächlich von Blödianen hegemonisiert wird, beschlossen sie wohl, diesen Geschichts-Analphabeten „Querfront“ als einen Begriff für was „ganz Schlimmes“ zu präsentieren. So als ob Hitler an die Macht gekommen wäre, weil es vorher eine „Querfront“ gegeben hätte (die es aber tatsächlich in der Form nie gab). Dumm und ungebildet ist die „linke Szene“ ja in ausreichendem Maße, wer weiß schon, dass Hitler das alles gar nicht paßte und er hinter Schleichers Rücken einen Pakt mit von Papen schloß, um diese „Querfront“ zu verhindern?

ADN-ZB, Deutschland, Neues Reichskabinett: 1. Juni 1932: Reichskanzler Franz von Papen bildet ein von Schleicher unter Mitwirkung von Schacht vorbereitetes Kabinett. Die Regierung ist ohne jede parlamentarische Mehrheit. UBz: Das neue Kabinett. Stehend vlnr: Dr. Franz Gürtner (Justiz), Dr. Warmbold (Wirtschaft), General von Schleicher (Reichswehr). Sitzend vlnr: Braun (Ernährung und Landwirtschaft sowie Ostkommissar), Wilhelm Freiherr von Gayl (Inneres), Reichskanzler von Papen, Konstantin Freiherr von Neurath (Äußeres).

ADN-ZB, Deutschland, Neues Reichskabinett:
1. Juni 1932: Reichskanzler Franz von Papen bildet ein von Schleicher unter Mitwirkung von Schacht vorbereitetes Kabinett. Die Regierung ist ohne jede parlamentarische Mehrheit.
UBz: Das neue Kabinett.

Stehend vlnr: Dr. Franz Gürtner (Justiz), Dr. Warmbold (Wirtschaft), General von Schleicher (Reichswehr).

Sitzend vlnr: Braun (Ernährung und Landwirtschaft sowie Ostkommissar), Wilhelm Freiherr von Gayl (Inneres), Reichskanzler von Papen, Konstantin Freiherr von Neurath (Äußeres).

Kurt von Schleicher wurde übrigens nur zwei Jahre später für sein Vergehen, eine Querfront versucht und damit um ein Haar Hitlers Machtergreifung verhindert oder zumindest hinausgezögert zu haben, von den Nazis im Rahmen des Röhm-Putsches ermordet.

Ich erinnere mich noch gut an die 70er und 80er Jahre. Da galten Versuche, Leute aus rechten Lagern für gemeinsame Aktionen zu gewinnen (und dadurch aus der Rechten herauszubrechen) durchaus als sinnvoll.
1977 demonstrierte bei einer verbotenen Demo vor dem AKW Brokdorf etwa neben dem KB, dem KBW usw. auch die „Wiking-Jugend“, die durchaus als rechtsradikal galt. Niemand kam darauf, das als „Querfront“ zu bezeichnen, der gemeinsame Gegner war klar die Polizei, die die Demo zu verhindern versuchte.
Damit war auch kein politisches Zugeständnis an die „Wiking-Jugend“ verbunden, das damalige rechtsradikale Lager befand sich in einer ernsten Krise wegen dieser Ereignisse.
Ich selbst diskutierte viele Male mit Rechten und „Rechten“, und ich halte im übrigen alle Scheißhausparolen von wegen „mit denen redet man nicht“ für politischen Analphabetismus.

Die Bolschewiki konnten im Juli 1917 den Putsch des ultrareaktionären General Kornilow nur aus einem einzigen Grund aufhalten. Na? Vermutung?

Richtig: sie redeten mit Kornilows Soldaten, und die beschlossen daraufhin, ihrem General dann doch lieber nicht zu folgen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lawr_Georgijewitsch_Kornilow

An der Tatsache aber, die die neoliberalen Massenmedien (die berühmte „Lügenpresse“) diese „Querfront“-Propaganda alle mittragen und mitblöken, kann man sehen, dass der Ursprung dieses Propaganda- und Diffamierungstricks wahrscheinlich nicht irgendjemand „Linkes“ ist, sondern ein Think Tank irgendeines „Dienstes“ oder einer „Public Affairs“ Firma, welcher wußte, wie man die vollkommen verblödete „linke Szene“, die ja ganz poststrukturalistisch den „Tod der Geschichte“ feiert, wie einen Ochsen am Nasenring durch die Manege ziehen kann.

Um es auch für Begriffsstutzige klar auszuformulieren:
„Querfront“ ist ursprünglich ein Kampfbegriff der extremen Rechten!

Ich rate, allen Menschen zu mißtrauen, und zwar bis auf die Knochen, die diesen Begriff als Diffamierung verwenden. Entweder handelt es sich um bewusste Handlanger irgendwelcher lumpiger Apparate (z.B. Journalisten in Mainstream-Medien), oder um pseudolinke Dumpfbacken, die so dumm und ungebildet sind, dass sie schon als gemeingefährlich einzustufen sind.

(alle Bilder in diesem Artikel übernommen von wikipedia, Quelle: Bundesarchiv)

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3 Gedanken zu “Wo kommt der Begriff „Querfront“ her und welche Funktion hat er?

  1. Hier wird ja auch der Blog „Vineyardsaker.de“ verkinkt. Dort ist es allerdings so, dass ein Parteivorstandsmitglied der DKP als Verantwortliche einen offenen Faschisten als Moderator duldet.
    Nicht nur, dass dieser dort seine Hetze gegen Flüchtlinge und seinen faschistischen Ungeist verbreiten kann—Jazzmusik sei „satanistisch“—-
    auch das Löschen von Beiträgen, die sich ihm entgegenstellen und das Sperren von Teilnehmern liegt in seiner Macht und er macht ausgiebig Gebrauch davon.
    Dem PV der DKP ist alles das bekannt…………..Schande.
    Ob man das nun als „Querfront“ einordnen will sei dahin gestellt.

    1. Ein Kommentar, der genau das oben beschriebene bestätigt.
      Der Angriff auf Dagmar Henn kam aus der Ecke der Hetzer und Spalter innerhalb der DKP. Mit sinnentstellend zusammengestückelten Zitaten von Kommentatoren des Blogs wurde eine Nähe zu Faschisten konstruiert, wie es die Bild nicht hätte besser machen können. Der DKP absolut unwürdig.
      Dass Sie sogar noch einen Monat nachdem sich Dagmar Henn persönlich dazu äußerte ausgerechnet unter diesem Artikel so kommentieren und sich dieser Diffamierungen bedienen, zeigt, dass Sie in den oben beschriebenen Personenkreis gehören müssen. Schande über SIE!
      http://vineyardsaker.de/uncategorized/in-eigener-sache/

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