Aufbruch und Ausverkauf – Podemos

Die neu entstandene „populistische“ Partei Podemos in Spanien erregte viel Aufmerksamkeit und weckte und weckt noch viele Hoffnungen. Jedoch:

„Seit der Europawahl 2014, bei der Podemos aus dem Stand 1,2 Millionen Stimmen (rund acht Prozent) und damit fünf Sitze gewann, hat sich ihr Charakter jedoch deutlich verändert.“

Ein wirklich empfehlenswerter Artikel der Gruppe „Marx21“
http://www.marx21.de/podemos-aufbruch-und-ausverkauf/:

Laclaus und Mouffes Theorie gründet auf einer Kritik an jener Auslegung des Marxismus, wonach die Ökonomie stets die Gesellschaft determiniert. Doch sie gehen noch weiter und stellen grundsätzlich die Existenz von Klassen infrage: Jede Art von Identität sei nur temporär und könne nie vollständig fixiert werden. Nach dieser Logik sind der Kampf gegen ökonomische Ausbeutung und jener gegen politische Unterdrückung nicht miteinander verbunden.

Ich erlaube mir die Bemerkung, dass die Existenz von Klassen aus meiner Sicht nicht eine Frage der Identität ist. Natürlich identifiziert sich die Mehrheit der Klasse des Proletariarts (70-80 % der Bevölkerung) nicht ihrer objektiven Existenz, sonst sähe es politisch sicherlich ganz anders aus (ich erinnere an „Klasse an sich“ und Klasse für sich“). Andererseits ist Identität (Ausdruck einer allgemeinmenschlichen Leidenschaft, wenn man Charles Fourier folgt) immer eine subjektive Frage. Was aber der Poststrukturalismus (eine Mode-Philosophie, der die genannten Autoren angehören) unternimmt, ist jede objektive Realität in Frage zu stellen und in „Diskurse“ aufzulösen.

Laclau und Mouffe hingegen geht es darum, »einen Diskurs zu konstruieren«, der verschiedene Gesellschaftsschichten einschließt, weit über die Arbeiterklasse hinaus. Unter Diskurs verstehen sie eine reine Artikulationspraxis, also hauptsächlich Sprache und Auftreten. Ihrer Meinung nach gestalten Diskurse gesellschaftliche Verhältnisse. Somit findet politische Betätigung innerhalb sogenannter diskursiver Felder statt. Hegemonie besteht für sie darin, einen Diskurs herzustellen, der Ziele enthält, denen sich verschiedene soziale Gruppen anschließen. Es geht also mehr um Identitäts- und sprachliche Zuschreibungen als um ein Erkennen des Klassenkonflikts.

Ich karikierte die poststrukturalistische Modephilopsophie bereits in früheren Artikeln schon mit der Floskel „Geschwätz ist die ganze Wirklichkeit“.

Laclaus und Mouffes Strategie führt nicht zu einer Veränderung des kollektiven Bewusstseins. Die marxistische Tradition sieht hingegen den Kampf in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen als Mittel an, um mit der herrschenden Ideologie zu brechen und somit Klassenbewusstsein zu schaffen. Diskurse allein, ohne konkrete Kämpfe und ein gemeinsames revolutionäres Projekt, reichen nicht aus.

Eine sehr scharfsichtige Analyse, überrascht bin ich lediglich davon, dass sie ausgerechnet von Marx21 kommt, die ich eher für besonders anfällig für die poststrukturalistische Ideologie von Laclau und Mouffe gehalten hätte.

Seis drum. Der Artikel ist sehr lobenswert.

Ich prophezeihe: auch in Deutschland werden wir ein Aufleben dieser poststrukturalistischen Philosophie in politischem Kontext erleben. Denn der Poststrukturalismus ist das Opium (zumindest großer Teile) der „linken Szene“.

Bis jetzt ist bei dieser „neuen Politik“ nichts weiteres herausgekommen als den verwaisten Platz der (neoliberalisierten) klassischen Sozialdemokratie durch neue reformistische Bluffs zu besetzen (Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien).

 

siehe auch Hintergrundinformationen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernesto_Laclau

Beitragsbild übernommen aus wikipedia: angeritzte Opiumkapsel

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